JETIGER von HobbyKing näher betrachtet

Der JETIGER von HobbyKing aus Hongkong wird dort als „Funjet“-Killer und ultimativer Spassjet beworben. Dabei wird ein Preis von nur 79 EUR aufgerufen. Also ein echter „Chinakracher“? Oder doch nur ein „Chinalacher“?

Wir haben das ganze mal angeschaut und in die Luft gebracht. Hier unser Erfahrungsbericht.

Wenn man die Beschreibung des Modells auf den Webseiten von Hobbyking liest, ist man erstaunt. Ein komplett fertg montierter Impellerjet mit Servos, Regler, Motor, Impeller und allem Zubehör für nur 79,95 EUR? Und dann noch die Aussage auf der Webseite: Plug & Play – sofort flugfertig aus der Schachtel? Das klingt ja zu gut um wahr zu sein.

Das wollten wir sehen und haben kurzerhand im Juni 2011 so ein Ding im „Hobbykling German Warehouse“ bestellt. Nach knapp 10 Tagen kam die Lieferung – gut Verpackt und ziemlich vollständig wie versprochen:

Und das findet man in der Packung:

Das Modell ist sauber lackiert und hat schon montierte Servos und Anlenkungen. Das sieht ja schon mal gut aus. Es sind aber laut Schachtelaufdruck „nur noch wenige Montagearbeiten“ durchzuführen. Aha – eine erste kleine Abweichung zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

BAUANLEITUNG

Sogar eine deutsche Bauanleitung liegt bei. Beim Lesen wird man aber zuerst ein wenig stuzig. Zitat: „Sperren Sie die Flügel und Gewährleistung der Steuerstäbe frei“ Aha – damit ist alles klar! Auch die genannten technischen Daten sind sehr interessant. Eine Spannweite 0-1700mm – also ein Modell mit variabler Spannweite? Toll. Schwerpunktangabe? Leider Fehlanzeige – wird nicht genannt.

Die Bauanleitung ist also höchstens als Belustigung am Biertresen tauglich. Wer möchte kann das JETIGER Manual (PDF) hier herunterladen und mal zur Belustigung studieren.

DAS MODELL

Also wurde mit den Montagearbeiten begonnen. In diesem Zusammenhang wurde zuerst der Zustand aller Bauteile überprüft.

Als erster Scjhritt soll am Ende der Düse ein Austrittskonus angeklebt werden. Leider passt dieser nicht, weil die obere Abeckung nicht wirklich richtig sitzt. Ein breiter Spalt klafft hier, was auch den Wirkungsgrad des Impellers reduziert.

Ursache ist der schief montierte Impeller. Daher wurde die obere Abdeckung abgenommen – sie ist mit zwei kleinen Schrauben befestigt.

Der Impeller war ziemlich krumm mit doppelseitigem Klebeband eingeklebt. Der Impeller wurde daher herausgenommen um ihn neu einzubauen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Impeller genauer inspiziert. Daber zeigte sich dass der eingebaute Impeller mit seinen Rotorblättern am Gehäuse schleift.

Hier mußte ein wenig nacharbeitet werden, damit der Rotor ausreichend leichtgängig ist. Dazu wurde am Imprellergehäuse eine Rille eingeschliffen, um den Rotor nicht unwuchtig werden zu lassen.

Abschließend wurde der Impeller wieder sauber justiert eingeklebt. Danach wurde das Oberteil wieder aufgesetzt. Trotzdem war die vordere Passung von Rumpf und Oberteil nicht wirklich gut – deshalb wurde hier mit Sekundenkleber nachgeklebt.

Die Anlenkungen der Ailerons in der Fläche sind zwar bereits montiert, in dieser Form aber unbenutzbar. Die Gestänge sind so eingehängt, das diese schon bei geringen Bewegungen die Ruderklappen um fast um 90Grad ausschlagen lassen.

Daher wurden die Anlenkungen in die mittlere Bohrung des Servohebels und in den äußerste Bohrung des Ruderhebels umgesteckt.

Damit hat man bei vollem Servoweg einen Ausschlag von ca. 30 Grad – mehr als ausreichend für diese Art von Modell.

Nächster Schritt war der Einbau eines LIPO. Der im Shop vorgeschlagene 3S/2200 passt leider nicht ohne weiteres in den Rumpf. Alternativ stand ein 3S/1100 Lipo zur Verfügung. Wir haben dann ein wenig die Aussparung im Rumpf vergrößert, um den 2200er unterzubringen.

HINWEIS: Mittlerweile (August 2011) wurde die Webseite aktualisiert. Nun soll das ganze mit einem 3S/1300mAh LIPO oder 3S/1800mAh Geflogen werden. Aber dennoch sind wir skeptisch ob damit der erforderliche Schwerpunkt ohne Blei erreicht werden kann.

Als Schnauze wird ein Gummikegel angeklebt, was mit Heisskleber problemlos und dauerhaft haltbar gelingt. Sekundenkleber ist leider ungeeignet.

DER ERSTFLUG

Der Startversuch mit dem 3S/2200mAh endete leider mit einer Bauchlandung trotz voll gezogenem Höhenruder. Die Ursachenforschung ergab dann einen viel zu weit vorne liegenden Schwerpunkt. Daher wurde der Akku gegen einen solchen mit 3S/1000mAh ausgetauscht und ein neuerlicher Startversuch unternommen. Mit Mühe war das Modell in die Luft zu bekommen – Schwerpunkt immer noch zu weit vorne. Es wurden dann knapp 40g Blei am Heck angebracht und nun flog der JETtiger einigermaßen respektabel.

Der Topspeed ist aber mit einem Funjet nicht zu vergleichen – das Modell ist deutlich langsamer unterwegs. Die Langsamflugeigenschaften sind OK, das Modell bleibt immer gut steuerbar.

UNSER FAZIT

Auf den ersten Blick ein attraktives Angebot, das aber in der HOBBYKING-Billigversion leider nicht das hält was es verspricht.

Wohl aus Kostengründen wurde ein reichlich knapp dimensionierter Motor verbaut, der viel zu leicht ist. Als Resultat ist nicht nur der Schwerpunkt nur schwer zu erreichen, es ist auch zu wenig Dampf vorhanden und das Modell ist eher „im gemütlichen Rentnertempo“ unterwegs. Ein TIGER ist es auf jeden Fall nicht…

Unsere Meinung: Lieber ein bischen mehr Geld auf den Tisch legen und ein wirklich flugtaugliches Modell bestellen – z.B. der „altbewährte“ FUNJET von Multiplex. Da weiß man was man hat!

Ob der äußerlich baugleiche JETtiger von JAMARA besser aufgebaut ist? Wir wissen es nicht.

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