GAUI 330X-S – ein Quadrocopter [Update]

Der GAUI 330X-S Quadrocopter sorgt derzeit für Aufsehen. Bekommt man hier doch für weniger als 400 EUR einen komplettes Modell mit Antrieb und Gyro – also deutlich weniger als sonst für ein solches Fluggerät zu bezahlen ist. Allerdings ist das Modell für Anfänger nicht ganz einfach in die Luft zu bekommen.

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Dieser Artikel beschreibt unsere Erfahrungen mit dem GAUI 330X-S Quadrocopter beim Bau, bei der Programmierung und im laufenden Flugbetrieb.

Die Firma GAUI aus Taiwan war bisher für ihre recht hochwertigen Helikoptermodelle bekannt. Mit dem Modell GAUI 330X-S wird nun die zweite Generation eines Quadrocoptermodells angeboten. Dieses wurde gegenüber dem Vorgängermodell GAUI 330X mit stärkeren Motoren, besseren Reglern und robusteren Luftschrauben ausgestattet. (Die alten GAUI330X sind nicht mehr in Handel)

In der Anleitung wird geschrieben, dass der Quadrocopter schon mit einem einfachen 4-Kanal Sender zu fliegen sei. Das ist zwar theoretisch richtig, aber nicht wirklich praktikabel. Ein Computersender mit einer EXPO-Funktion und Wegbegrenzung sollte es schon sein. Mehr dazu weiter unten.

Das Modell ist u.a. im Vertrieb der Fa. MAMO-Modells und wird hier mit einer englischsprachigen Anleitung geliefert.

Die Lieferumfang des Baukastens ist komplett, also mit allen Teilen für das Tragwerk, Motoren, Regler, Luftschrauben und natürlich das 3-Achsen-Gyro-Modul GA-344. Dieses Modul ist das Herzstück des Modells und übernimmt die Lageregelung.

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Das Tragwerk besteht aus schwarz eingefärbten GfK-Teilen mit einer Stärke von 1mm. Die Teile sind CNC gefräst und passen perfekt zusammen. Sie werden zusammengesteckt, verschraubt und mit Sekundenkleber gesichert.

Um das Modell in die Luft zu bekommen, fehlt nur ein passender Empfänger (mindestens 4 Kanal – besser 5 Kanal) und ein 2s-2000 Lipo-Akku.

WICHTIG: Als Sender sollte unbedingt ein programmierbares Gerät zum Einsatz kommen, um den Servoweg für die Regler und Expo für die einzelnen Steuerfunktionen einstellen zu können. Man kann den GAUI zwar auch mit einem einfachen 4-Kanal Sender fliegen, aber das erfordert erheblich mehr Arbeit an den Knüppeln und das Modell fliegt dann bei weitem nicht so ruhig wie erwartet.

Wenn ein 5-Kanal Empfänger verwendet wird, kann dann auch die Empfindlichkeit des Gyro am Sender eingestellt werden. Das ist insbesondere bei windigem Wetter eine echte Hilfe.

Zusammenbau des Modells

Der Zusammenbau des Modells ist relativ problemlos. Die englischsprachige Anleitung ist ausführlich bebildert und läßt hier fast keine Fragen offen. Einziger Stolperstein ist das richtige Einsetzen der Motorträgerplatten, denn die Befestigungsbohrungen des Motors sind nicht voll symetrisch! Klebt man hier die Motorträger falsch ein, passt hinterher die Kabelführung der Motoren nicht.

Standardmäßig hat das Modell ein gefedertes Fahrwerk mit kleinen Rädern, das eigentlich ganz gut funktioniert. Nur leider ist die Fahrwerksbefestigung nicht verdrehsicher, d.h. bei jeder etwas härteren Ladung muß das Fahrwerk neu justiert und wieder festgeschraubt werden.

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Bild: Das Tragwerk mit montierten Motoren und Reglern

Wenn man mit der Montage der Motoren und Regler beginnt, empfiehlt es sich unbedingt, die einzelnen Kabel, Regler und Motoren zu nummerieren. Das vereinfacht die Verdrahtung und hilft, Verkabelungsfehler zu vermeiden. Die Gyroeinheit GU-344 muß mit 4 der reichlich begefügten Klabepads bestigt werden. Bitte keine anderen Klebebänder nehmen, weil die mitgelieferten Klebepunkte in ihrem Schwingungsverhalten auf dieses Modell optimiert sind. Das Gyro wird bündig zum Rand mit dem roten Pfeil in Flugrichtung montiert.

Bei der Montage der Kabel darauf achten, dass diese nicht das Gyro blockieren – es muß weiter möglichst vibrationsfrei auf den vier Schaumstoffpuffern gelagert sein.

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Bild: Das Modell mit abgenommener Haube. Das Fahrwerk wurde durch 4 Schaumstoffklötze ersetzt.

Ein besonderes Augenmerk sollte man der Befestigung der Luftschrauben gönnen. Die Mitnehmer welche auf die Motorachsen gesteckt werden haben nämlich zwei Gewindebohrungen für M3-Madenschrauben, aber es wird nur je eine Madenschraube mitgeliefert. Die Folge: der Mitnehmer wird sehr schnell locker und die Luftschraube löst sich vom Motor.

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Hier sollte man unbedingt eine zweite M3 Madenschraube in den Mitnehmer eindrehen – dann hält der Propeller auch sicher! Wenn nämlich im Fluge ein Propeller davonfliegt, geht der Quadrcopter sofort auf den Rücken und stürzt unkontrollierbar ab.

Bei der Positionierung des Mitnehmers auch darauf achten, dass eine der beiden Madenschrauben auf der abgeflachten Stelle der Welle sitzt.

 

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Nur so ist ein dauerhaft fester Sitz gewährleistet, sonst beginnt der Mitnehmer nach einer Weile zu rutschen und de Prop kann sich dann mitten im Fluge lösen.

 

Programmierung und Kalibrierung

Nach dem das Modell aufgebaut und verkabelt ist, müssen die Regler kalibriert werden. Dieser Prozess wird in der Anleitung zwar beschrieben, aber trotzdem kommt nicht jeder auf Anhieb damit zurecht. Deshalb hier die Beschreibung wie wir vorgegangen sind.

Zunächst müssen die Regler entsprechend der Nummerierung mit der Gyro-Einheit verbunden werden. Die Kabel aus der Gyroeinheit werden kann entsprechend den Funktionen mit dem Empfänger verbunden.

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Um die Regler zu kalibrieren sollte man wie folgt vorgehen:

Zuerst die Luftschrauben entfernen! Das reduziert das Verletzungsrisiko ganz erheblich!

Das grüne Kabel aus dem Empfänger entfernen. Dann an der GU-344 die beiden kleinen DIL Schalter nach oben stellen und das Poti entgegen dem Uhrzeigersinn an den Anschlag drehen. ACHTUNG: Das Poti ist ein sehr empfindliches SMD Poti. Man kann es ganz leicht ruinieren, wenn man zu fest dreht. Daher einen Uhrmacher-Schraubenzieher Größe 1 oder 1,2 benutzen und ganz vorsichtig drehen.

Jetzt am Sender den Knüppel auf Vollgas stellen. (Dabei vorher sicherstellen dass der Sender richtig programmiert ist, d.h. Vollgas auch tatsächlich Vollgas ist. Bei manchen Sender muß die Gasposition reverse geschaltet werden.) Nun den Akku anschließen. Nach einigen Sekunden ertönen zwei Pieptöne. Nun weiter abwarten bis eine kurze Meldie ertönt. Dann den Gasknüppel auf Null stellen. Es ertönen wieder zwei Pieptöne. Nun kann der Akku entfernt werden.

Jetzt testen, ob die Kalibrierung erfolgreich war: Dazu den Sender einschalten, Gas auf Null. Akku am GAUI anschließen, und die zwei Pieptöne abwarten. Dann langsam am Sender Gas geben. Alle Motoren sollten gleichzeitig und gleichmäßig anlauifen.

Wenn dem so ist, kann man den Akku abstecken, das Poti für die Empfindlichkeit an der GU-344 im Uhrzeigersinn wieder auf die Ausgangsstellung bringen (ca. 9 Uhr-Position). Wenn nicht, dann sollte man den Vorgang wiederholen, bis die Motoren gleich anlaufen. Unter Umständen ist es hilfreich, die Regler erst einmal einzeln auf Factory-Default (siehe Anleitung zu den Reglern) zu bringen und erst dann zu kalibrieren.

Dann die Luftschrauben montieren und die Mitnehmer gut festziehen. Dabei bitte in jeden Mitnehmer zwei Madenschrauben eindrehen! Zum Schluß am Sender per Programmierung den Weg für das Gas von Vollausschlag auf ca. 75% zurücknehmen. Das ist nötig, damit das Gyro nicht übersteuert wird, sondern noch eine Reserve für die Fluglagenregelung hat. (Daher empfehlen wir auch den GAUI 330XS nicht mit einem „Billigsender“ zu fliegen, der nicht programmiert werden kann.)

Jetzt ist das Modell fertig zum Erstflug.

Flugbetrieb

Der GAUI 330X-S verhält sich fliegerisch ähnlich wie ein Koax-Heli, ist aber erheblich agiler und kann viel präziser gesteuert werden. Das Modell hat aber keine Höhenregelung wie dies bei den teuren semi-professionellen Quadrocoptern der Fall ist.

Idealerweise fliegt man als Anfänger bei Windstille, denn das Modell muß über alle Achsen gesteuert werden, was zumindest Anfänger bei der Helifliegerei voll fordert. Wer schon einen Koaxheli beherrscht, wird mit dem Modell relativ schnell zurecht kommen. Bei starkem Wind wird das Modell aber unter Umständen recht schnell abgetrieben und auf größere Entfernung wird die Fluglageerkennung recht schwierig.

Beim Starten ist es ganz normal, dass nicht alle Motoren gleichzeitig anlaufen. Viele Modellflieger sind davon irritiert und glauben es liegt eine Fehlfunktion vor. Dem ist aber nicht so, denn es ist normal dass das Modell erst ein wenig wackelt bis die Gyros in der GU-344 aktiv werden. Gibt man dann weiter Gas, laufen alle Motoren an und das Modell beginnt zu schweben.

Die Flughöhe bzw. das Steigen und Sinken wird über die Drehzahl der Motoren gesteuert. Hier muß permanent gesteuert werden, weil mit der sinkenden Akkuspannung langsam immer mehr Gas gegeben werden muß, um weiterhin die Höhe zu halten. Dabei ist zu beachten, dass ein Quadrocopter ohne laufende Motoren wie ein Stein vom Himmel fällt. Also bitte nicht den Akku ganz leer fliegen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit einem 2s2400er Lipo ungefährt 12 Minuten fliegen kann, dann ist der Akku um 85% entladen, hat also noch ca. 15% Restkapazität.

Das originale Fahrwerk hat sich im rauen Übungsbetrieb nicht bewährt. Es wurde daher erst mal durch 4 große EPP-Klötze ersetzt. Diese haben zudem den Vorteil dass harte Landungen recht gut abgefedert werden.

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Bild: Flug in abendlicher Windstille

Sonstige Hinweise und Tipps

Sender Multiplex Cockpit SX

Wir fliegen den GAUI 330XS mit einer Multiplex Cockpit SX. Dabei ist der Quadrocopter als ein Modell vom Typ EASY programmiert. Die Kanäle sind wie folgt belegt:

  • K1  QUER  AILE  reverse  3draht
  • K2  HÖHE  ELEV  reverse  rot
  • K3  SEITE RUDD  normal   gelb
  • K4  GAS   THRO  normal   orange

Zum Trainieren hat es sich zudem bewährt, mit 40% EXPO auf den Funktionen für QUER, HÖHE und SEITE zu fliegen. Das Modell wird damit viel ruhiger zu steuern.

GAUI 10A-Regler

Die Regler piepen nach dem Anstecken des Akkus entsprechend der Zellenzahl des Akku. Also zwei Pieptöne bei einem 2s und drei Pieptöne bei einem 3s. Sollte das bei jemandem nicht stimmen, so muß der Regler neu kalibriert werden.

GAUI GU-344 Probleme

Einige Benutzer des GU-344 berichten, dass die Einheit nicht gut regelt, sondern das Modell sich immer wieder aufschaukelt. Dies passiert vor allem dann, wenn das grüne GAIN-Kabel nicht am Empfänger angeschlossen ist. Hier empfiehlt der Hersteller, das grüne Kabel nach oben in einen der vier freien Steckplätze der GU-344 zu stecken. So wird das GAIN dauerhaft auf GND gestetzt und Störungen durch elektrische Felder werden sicher vermieden.

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So sollte das grüne Kabel angesteckt werden, wenn es nicht mit Kanal 5 gesteuert wird.l

Fliegen bei winterlichen Temperaturen

Beim ersten Flug bei winterlichen Temperaturen konnte eine deutlich erhöhte Empfindlichkeit der Gyro-Einheit GA344 festgestellt werden. Das Modell neigt dann zum Aufschaukeln wenn man abrupte Steuerbefehle gibt. Dies ist wohl auf die Temperaturdrift des Gyro zurückzuführen. Wenn irgend möglich, empfiehlt es sich daher, das grüne Kabel für den Empfindlichkeitsregelung an Kanal 5 anzuschließen und per Sender einstellbar zu machen. So kann man problemlos jederzeit das optimale Regelverhalten einstellen.

VORSICHT mit den Propellern

Wenn das Modell gelandet ist und herumgetragen wird, unbedingt den Akku abstecken. Wenn nämlich die Motoren unbeabsichtig anlaufen, dann passiert sowas:

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Die Luftschrauben sind sehr scharfkantig!

Hinweise zum Einsatz von Kanal5 an der GA344

Wird an der GA344 das grüne Kabel am Empfänger (hier beispielhaft Kanal 5) eingesteckt, wird das kleine Poti und der Flugmodusschalter an der Box deaktiviert. Jetzt wird alles auf dem Sender gesteuert. Man sollte am Sender einen Drehregler (oder mit Programmierung einen Schalter) verwenden, welcher auf Kanal 5 zugewiesen wird.

Über den Servoweg des Kanal 5 wird dann das Verhalten der GA344 wie folgt eingestellt:
von  -100% bis 0% Drehung(also Mittelstellung) ist der Hovermodus (HOV) aktiv
von 0% bis +100% Drehung ist der Sportmodus (GRU) aktiv

Innerhalb des jeweiligen Bereiches wird über den „Servoausschlag“ von Kanal 5 die Sensibilität eingestellt. Es entspricht damit dem, was ohne Kanal 5 über das Winzig-Poti an der Box gemacht wird. (Der Betrieb an Kanal5 ist übrigens auch ein Weg, ein GA344 mit kaputtem Poti weiterzubenutzen)

Vorteil der Lösung am Sender: Man kann für HOV und GRU verschiedene Werte bequem einstellen. Da mein GA344 recht temperaturempfindlich ist, kann ich so im Flug etwas nachregeln.

Wenn es die Programmierung des Senders hergibt, kann man auch einen Mischer programmieren, beim dem der Regler die Empfindlichkeit einstellt und man dann über einen 2-Stufen Schalter die Modi umstellt. Alternativ kann man auch nur einen Umschalter nehmen und dann für jeden der beiden Stellungen einen Servoweg fest im Sender einprogrammieren.

ACHTUNG: Wenn man einen Billig-Sender hat, der keine Programmierung des Servowegs von Kanal 5 zulässt (ja sowas gibt es) dann MUSS zwingend ein Regler oder Schieber für Kanal5 benutzt werden, ansonsten ist der GAUI unfliegbar, weil die Empfindlichkeit viel zu hoch bzw. niedrig ist!

Sonstiges

Selberbauer und Selberlöter beachten bitte auch unser Projekt „Murkelcopter“ – ein MultiWii-Copter zum Selberbauen für wenig Geld.

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